Schwefelsäure / Anodisierbad |
In diesem Artikel erklären wir Ihnen Grundsätzliches zum Anodisierbad und geben Tipps zur Konzentrationsbestimmung und -einstellung. Inhalt
1. Grundsätzliches zur Wahl der Säurekonzentration im Anodisierbad
Die Säurekonzentration hat - zusammen mit anderen Parametern - einen erheblichen Einfluss auf die Schichtbildung. Da - wie nachfolgend erklärt wird - im Bad grundsätzlich zwei konkurrierende Prozesse ablaufen, lässt sich durch geschickte Wahl der Konzentration der eine oder andere Prozess bevorzugen.
Während der Schichtbildung laufen im Bad gleichzeitig mehrere Prozesse ab, von denen uns hier nur die beiden wichtigsten interessieren sollen:
Daraus folgt:
Die Konsequenzen daraus sind:
Möchte man eine möglichst harte, dicke Schicht erhalten (also hartanodisieren), setzt man die Säurekonzentration entsprechend herunter.
Möchte man eine möglichst gute Farbaufnahme erzielen - kommt es also hauptsächlich auf ein dekoratives Äußeres an - so wählt man eher höhere Säurekonzentrationen.
Ein Hinweis:
2. Messen der Säurekonzentration2.1 Aräometer / SenkwaageDas einfachste, schnellste und am häufigsten angewandte Messverfahren ist die Bestimmung der Dichte des Säurebades mit Hilfe eines Aräometers (Senkwaage). Dabei nutzt man das einfache Prinzip, dass ein Körper so weit in eine Flüssigkeit eintaucht, bis das Gewicht der Verdrängten Flüssigkeit gleich dem Gewicht des Körper selbst ist. Wenn man den Körper mit entsprechenden Marken versieht, kann an diesen dann direkt die Dichte abgelesen werden. Üblicherweise werden zugeschmolzene Glasaräometer verwendet, die als Gewicht Bleikügelchen enthalten und entsprechend kalibriert sind. Da die Dichte von Flüssigkeiten immer auch von der Temperatur abhängt, gelten die abgelesenen Werte eines Aräometers immer nur für eine bestimmte Temperatur. Je nach der zu messenden Flüssigkeit gibt es Aräometer für verschiedene Dichtebereiche: für leichte Flüssigkeiten wie Alkohol (Dichte etwa 0,79g/cm³, 790g/Liter), die in Wasser gelöst sind, verwendet man dann einen Bereich von 0,79 (reiner Alkohol) bis 1,00 (reines Wasser = 1,00g/cm³) und kann so bestimmen, wie hoch die Konzentration an reinem Alkohol z.B. in Spirituosen ist. Je enger Minimal- und Maximalwert zusammenliegen, desto genauer kann man ablesen, desto schmaler ist aber auch der Bereich, in dem die Senkwaage verwendet werden kann. Man sollte sich überlegen, welche größten oder kleinsten Dichten angenommen werden können und danach das Aräometer wählen - oder man besorgt sich eine Anzahl Senkwaagen mit aufeinander folgenden Messbereichen und kann so sehr exakt messen.
Für verdünnte Schwefelsäure verwendet man im Anodisierbereich üblicherweise ein Aräometer mit Messbereich von 1,00
(reines Wasser = 0% Säuregehalt) bis 1,20 (etwa 28% Säuregehalt). Damit lassen sich alle üblichen Säurekonzentrationen
bestimmen.
Die Messung mit einem Aräometer ist denkbar einfach: man lässt dieses langsam in die zu messende Flüssigkeit tauchen und liest dann den Wert ab, an dem der Flüssigkeitsspiegel steht. Dann liest man einfach den zu der ermittelten Dichte gehörenden Prozentwert aus der Tabelle ab. 2.2 Massebestimmung von VolumenDies ist eine weitere einfache Methode. Dabei misst man ein genaues Volumen des Anodisierbades ab und ermittelt dessen Masse. Durch die einfache Formel
Dichte = Masse / Volumen
kann dann die Dichte berechnet und damit über die Tabelle auf die Säurekonzentration geschlossen werden.
Ein Beispiel: Bitte beachten Sie, dass in die Dichte des Anodisierbades natürlich auch andere Stoffe wie gelöstes Aluminium, Zusätze etc. einfließen und das Ergebnis etwas verfälschen können. Durch die deutlich höhere Konzentration an Schwefelsäure sind die Abweichungen aber meist vernachlässigbar. Für eine genaue Bestimmung des Säuregehaltes muss eine sogenannte Titration durchgeführt werden, wie sie im nächsten Abschnitt ansatzweise beschrieben ist. 2.3 TitrationBei der Titration wird die Menge einer unbekannten Säure bestimmt, indem eine Base exakt bekannter Konzentration solange hinzugegeben wird, bis die Lösung neutral reagiert (also den pH-Wert 7 hat). Die Überwachung des pH-Wertes erfolgt dabei entweder mit Hilfe spezieller Farbstoffindikatoren, die durch Farbumschlag die Neutralität der Lösung anzeigen oder (heutzutage vermehrt, da genauer) durch elektronische ph-Messgeräte.
Die Titration ist deutlich genauer als die zuvor beschriebenen Verfahren zur Dichtemessung, da nur die wirklich vorhandene Säure und nicht gelöstes Aluminium etc. ins Messergebnis einfließen.
3. Berechnung der Verdünnung
Da die im Handel erhältliche Säure oftmals eine andere (=höhere) Konzentration besitzt als benötigt wird, lautet eine wichtige Frage in der Praxis:
Bei der Verdünnung von Flüssigkeiten geht man praktisch immer über die Massen (oder - eigentlich falsch ausgedrückt - das "Gewicht") der Komponenten. Dies hat seinen Grund darin, dass sich durch das Mischen die Volumina durchaus ändern (und zwar nichtlinear), während die beteiligten Massen konstant bleiben: 1 Liter Wasser und 1 Liter Säure ergeben gemischt nicht exakt 2 Liter verdünnter Säure, während 1kg Säure + 1kg Wasser gemischt weiterhin exakt 2kg „wiegen“. Dieses Phänomen nennt man auch Volumenkontraktion.
Benötigt man eine bestimmte Konzentration, so geht man wie folgt vor:
Da sich alle Säuren beim Verdünnen massiv erwärmen, sollten Sie die Säuren langsam in viel kaltes Wasser einrühren, nie umgekehrt! Es besteht sonst Spritz- und Verdampfungsgefahr! Für das obige Verfahren heisst dies, dass wir die in (3.) berechnete Säuremenge
bereits in eine passende Menge (kalten) Wassers einrühren und schließlich nur noch den Rest bis zum gewünschten Endvolumen auffüllen.
Ein Beispiel: Wir haben 38%ige Batteriesäure zur Verfügung und möchten mit dieser 10 Liter 15%ige Säure
herstellen.
4. Entsorgung verbrauchter AnodisierbäderEntsorgungshinweise zu verbrauchten Anodisierbädern finden Sie in unserer „TM-5 Entsorgung von Chemikalien“ im Downloadbereich. 5. Tabelle der SchwefelsäurekonzentrationenIm Folgenden finden Sie tabellarisch die Konzentrationen von Schwefelsäure. Unter „Bemerkungen“ finden Sie die Bereiche markiert, für die jeweiligen Säurekonzentrationen üblicherweise eingesetzt werden sollten.
¹ Bei Verwendung unseres Harteloxierzusatzes kann auch mit Bädern für dekorative (=farbige) Anodisierungen (12-20% Säuregehalt) harteloxiert werden, so dass Sie nur ein einziges Anodisierbad benötigen. |
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| Last Updated on Thursday, 05 August 2010 13:49 |